Am 9. November 1989 war ich 8 Jahre, alt in West Berlin

Am 9. November 1989 war ich 8 Jahre alt, in West-Berlin

Wo ich war:

Am 9. November 1989 war ich 8 Jahre alt. Meine Eltern haben den ganzen Abend im Fernsehen

die Ereignisse mitverfolgt. Ich erinnere mich an Menschenmassen die über die Grenzübergänge strömten und später an Leute die mit Hämmern auf eine bunt besprühte Betonwand einschlugen.

Was ich damals dachte:

 

100 D.M. si vous passez la frontière

100 D.M. si vous passez la frontière

Es war mir ziemlich unverständlich wieso diese Leute sich so freuten und wieso sie so einfach die Mauer kaputtschlagen konnten und niemand etwas dagegen unternahm. Später erfuhr ich das jeder Ostberliner 100 DM „Begrüßungsgeld“ bekommen hat und da verstand ich besser das sie sich freuten.

Bis zu diesem Tag war der Osten Berlins und Deutschlands für mich nur ein sehr abstraktes Bild gewesen. Ich verband den Osten vor allem mit den langen Wartezeit an der Grenze, wenn wir auf den Transitstrecken nach Westdeutschland zu unseren Verwandten fuhren. Dazu gehörte auch das man Geld wechseln musste was man nur in den Intershops ausgeben konnte da die Transitstrecken weder Ein- noch Ausfahrten im Osten hatten.

Am beunruhigensten war immer der Moment wo man seinen Ausweis an einem Grenzposten abgeben musste und ihn erst nach etwa 10 Minuten in einem 500 m weiter gelegenen Grenzposten wieder bekam.

Jedes mal fragte ich mich ob wir wohl im Osten bleiben müssten wenn wir die Papiere nicht wieder bekämen. Der Osten erschien mir umso bedrohlicher je weniger ich über ihn wusste.

 

Alexanderplatz .

Alexanderplatz .

In den Wochen und Monaten nach dem Mauerfall fuhren wir öfters am Wochenende mit der Familie nach Potsdam, Köpenick und Brandenburg ins Grüne. Mit der Schule besuchten wir auch den Alexanderplatz und das Nikolaiviertel. Unsere Welt war plötzlich größer geworden und ohne das wir es vorher vermisst hätten fuhren wir nun ins Grüne und aufs Land in einer knappen Stunde und aßen in Landgasthöfen Bratkartoffeln und Schnitzel.

 

Nikoleikirche .

Nikoleikirche .

In der Schule hatten wir plötzlich 2 Ostdeutsche in der Klasse. Sie waren mit ihren Familien aus dem Umland nach Berlin gezogen. Sie fielen in der Klasse auf weil sie seltsame Kleidung trugen und auch andere Haarschnitte hatten als die Westberliner Schüler. So dauerte es auch nicht lange bis

die bis dahin üblichen Ostfriesenwitze durch die Ossi- und Trabbiwitze abgelöst wurden.

Was ich heute darüber denke:

Der echte Kontakt mit dem ehemaligen Osten kam für mich jedoch erst nach dem Abitur wo ich feststellte das es den Studiengang den ich aufnehmen wollte nur an der Humboldt-Universität, also der Universität des Ostteils Berlins gab. Hier lernte ich nun wirklich ehemalige Ostdeutsche kennen und knüpfte Freundschaften mit ihnen. Von meinen Mitstudenten aus dem ehemaligen Osten sahen viele den Mauerfall mit Zehnjährigem Abstand eher kritisch. Aus meiner Sicht hatte der Mauerfall kaum auswirkungen auf mein Leben gehabt, meine Kommulitonen jedoch hatten oft mitansehen müssen wie die Ausbildungen und recht anständigen einkommen ihrer Eltern plötzlich wertlos wurden. Auch vermissten viele die freundliche und kameradschaftliche Atmosphäre die sie von früher kannten. Viele hätten sich einen übergang von Ostdeutschen Werten und Gegebenheiten ins vereinte Deutschland gewünscht. So erlebten sie die Wende nach der anfänglichen Euphorie als sehr ernüchternd und als Aufzwingen der westlichen Lebenswelt. Auch war es für viele Ostdeutsche Arbeitstätige Frauen nach der Wende nicht mehr möglich Arbeit und Familie zu vereinbaren da gerade in ländlichen Gebieten die Kinderbetreuung nicht mehr gewährleistet war.

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So denke ich heute über den Mauerfall sehr viel differenzierter als vor 20 Jahren. Ich denke das auch heute noch erhebliche kulturelle Unterschiede zwischen Ost und West bestehen bleiben und , dass die Wende und die Weise, wie sie stattgefunden hat, viele Konflikte auf beiden Seiten entstehen hat lassen. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache das ich froh bin Deutschland wieder vereint zu sehen und auch denke das sich die Lebensumstände in Ostdeutschland für viele auch verbessert haben.

 

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